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Dr. Alexander Wolff von Gudenberg: Er etablierte eine neue und erfolgreiche Stottertherapie in Deutschland
„Mit vier Jahren begann mein Stottern mit heftigen Sprach-Blockaden. Es folgte nicht weniger als ein Dutzend vergebliche sprachtherapeutische, krankengymnastische und medikamentöse Behandlungsversuche ohne jeglichen Einfluss auf die Sprechflüssigkeit…“, erinnert sich Dr. Alexander Wolff von Gudenberg. Heute ist er Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen und leitet seit elf Jahren sein eigenes „Institut der Kasseler Stottertherapie“ in Bad Emstal. Als Selbstbetroffener hilft er anderen Menschen, ihren Sprachfluss dauerhaft im Griff zu haben - denn Stottern ist nicht heilbar. Diese integrative Therapieform verbindet die Prinzipien des „weichen Sprechens“ (fluency-shaping) mit Elementen der Körper- und Atemarbeit, der klassischen Logopädie und Psychotherapie. Wichtiger Bestandteil ist eine Software: Sie ermöglicht das systematische und kontrollierbare Üben im Intensivkurs und anschlieβend ein langfristiges „Auffrischen“. Unangenehme Erfahrungen kennt er zur Genüge - vor allem aus den Mediziner-Reihen. Während seiner Ausbildung als Krankenpfleger durfte er an bestimmten Seminaren nicht teilnehmen, weil diese z. B. einen Besuch in der Familie eines psychotischen Patienten erforderten: „Meine Anwesenheit hätte ihn angeblich noch psychotischer gemacht!“, so der 52-Jährige. „Vergeblich versuchte ich, in Deutschland eine Facharztausbildung als Phoniater (Facharzt für Stimm- und Sprachstörungen) zu absolvieren. Immer wieder kehrende Begründung der Ablehnung war: Selbstbetroffenheit. Deshalb habe ich meinen Facharzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Stimm- und Sprachstörungen gemacht.“ Auch da versuchten Ärzte und Professoren ihn von dieser Laufbahn abzubringen… Behandlungskonzept erweitern und verbessernDennoch suchte sich Dr. von Gudenberg seine eigenen Wege. „Als Kind und Jugendlicher war ich keineswegs ein Überflieger. Heute weiβ ich aber: Um etwas zu erreichen, geht es nicht so sehr um eine hohe Intelligenz, sondern eher um Durchhaltevermögen. Auch Rückschläge sollen uns nicht entmutigen. Dies gilt umsomehr für Gründer mit Handicap“, erzählt der Institut-Inhaber. Er promovierte über einen Stottertherapien-Vergleich im deutsch- und englischsprachigen Raum an der MHH in Hannover und der Northwestern University, USA. Dort entdeckte er die sprechmotorisch orientierte Therapie „PFSP“ (precision fluency shaping program nach Dr. Webster), dank der er gröβere Sprechkontrolle erlangte. Das Konzept mit computergestützten Übungen überzeugte ihn. Jedoch war dieser Zustand nicht von Dauer, und er hatte Rückfälle. Zurück in der Heimat lernte er auf einem internationalen Kongress einen israelischen Anbieter einer Software kennen, die auf diesem Konzept basierte. Ein Postpromotion-Stipendium führte ihn anschlieβend nach Jerusalem, wo er das jetzt computergestützte Konzept „Deutschland tauglich“ machte. „Es gelang mir, den Psychologen Prof. Dr. Harald Euler von der Universität Kassel dafür zu gewinnen, mein auf PFSP basierendes - aber erweitertes - Therapiekonzept wissenschaftlich zu begleiten und zu evaluieren. Ich organisierte mir Drittmittel von unterschiedlichen Geldgebern und Stiftungen für eine dreijährige Anstellung in seiner Abteilung. Die Förderung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) spielte auch dabei eine sehr groβe Rolle und ermöglichte mir vorher schon Facharzt für Allgemeinmedizin zu werden. Ich begann 1996 mit den Therapiegruppen, und die ersten Langzeitergebnisse haben die Krankenkassen so überzeugt, dass die Therapie seit Sommer 1999 von den meisten Kassen bezahlt wird“, erläutert Dr. von Gudenberg. Für andere Menschen ein ModellMittlerweile hat sein eigenes Therapieinstitut zehn freie und sieben feste Mitarbeiter und bietet zwölf 14-tägige Kurse pro Jahr an. Über 1.000 Patienten haben daran teilgenommen und eine bessere Lebensqualität erlangt. „Das ist für mich der gröβte Erfolg! Natürlich bin ich ebenso glücklich darüber, in der Bundesrepublik der einzige Mediziner und Betroffene zu sein, der aus eigener Erfahrung heraus seine Therapie etabliert und so weit gebracht hat, dass er seit 2008 sogar Direktverträge mit allen groβen Krankenkassen schlieβen konnte. Es gab zwar schwierige Phasen mit Nachfrageneinbrüchen, aber mein Unternehmen wächst von Jahr zu Jahr, wir bieten immer mehr Kurse an“. Er freue sich ebenfalls darüber, für andere Menschen mit Redeflussstörungen ein Modell zu sein – schlieβlich hatte er selbst kein Vorbild… „Ich kann andere – so glaube ich - ganz gut begeistern. Stotternde kommen nicht selten in mein Institut, weil ich selbst betroffen bin und sie mich als Modell betrachten.“ Er konnte eine Nische finden, in der ihm „in Deutschland keiner etwas vormachen kann“. Auch dies habe zu mehr Selbstvertrauen beigetragen, und heute hat er keine Probleme, in der Öffentlichkeit aufzutreten. In Zeiten ungewisser Gesundheitspolitik bleibt der Unternehmer insgesamt optimistisch. Schlieβlich genieβt nun sein Institut eine sehr gute Reputation und will weiter expandieren.. Institut der Kasseler Stottertherapie, Feriendorf Str. 1, 34308 Bad Emstal, Tel.: 05624/ 921 – 0, Fax: 05624/ 921 – 201, E-Mail: info@kasseler-stottertherapie.de, Internet: www.kasseler-stottertherapie.de |
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